10.000 Firmen machen Erkundungsreisen nach Europa

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Mehrere Wirtschaftsdelegationen aus der ostchinesischen Provinz Zhejiang sind am Wochenende mit einem von der Provinzregierung gecharterten Flugzeug zu einer sechstägigen Reise nach Deutschland und Frankreich aufgebrochen. Medienberichten zufolge ist der Flug Teil einer groß angelegten Kampagne von Zhejiang, die darauf abzielt, „1.000 Wirtschaftsdelegationen und 10.000 Unternehmen zur Erkundung des internationalen Marktes zu entsenden“. Es handelt sich um das erste Mal seit dem Beginn der COVID-19-Pandemie, dass solche Delegationen unter der Leitung der Handelsbehörden der Provinz ins Ausland reisen.

Li Lin, ein Vertreter des Handelsbüros von Zhejiang, der auch eine Delegation leitet, erklärt, durch solche von der Regierung geleiteten Geschäftsreisen erhoffe man sich, dass die Unternehmen ihre Wachstumsaussichten optimistischer einschätzen könnten und eher bereit seien, ins Ausland zu gehen und mit internationalen Partnern Kontakt aufzunehmen. „Wir werden für das Geschäftsumfeld und die wirtschaftspolitischen Maßnahmen in unserer Provinz werben und Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Zhejiang und den europäischen Ländern ausloten“, so Li weiter. Seine Delegation, die 31 Unternehmen vertritt, wird voraussichtlich an internationalen Ausstellungen in Deutschland und Frankreich teilnehmen.

Fei Zhongfu, ein Mitglied der Delegation, sagt: „Wir brauchen solche persönlichen Begegnungen dringend, da wir seit drei Jahren nicht mehr in Europa waren und nicht wissen, was in etlichen Branchen und Unternehmen vor sich geht.“ Fei ist Firmenchef der Jiaxing Ruili Textile Co, einem führenden Hersteller von Maschenwaren. Das 2007 in Jiaxing in der Provinz Zhejiang gegründete Unternehmen ist stark vom Außenhandel abhängig.

Ni Huping, der stellvertretende Bürgermeister von Jiaxing, sagt, die Außenhandelsunternehmen in der Stadt hätten aufgrund der durch die COVID-19-Pandemie verursachten Störungen zahlreiche Aufträge verloren und stünden daher vor großen Herausforderungen. „Unsere Initiative zielt in erster Linie darauf ab, verlorene Aufträge zurückzugewinnen. Aber noch wichtiger ist, dass diese Kampagne das Vertrauen nicht nur der chinesischen Unternehmen, sondern auch der internationalen Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten, stärken soll“, so Ni. Die Reisen sollen demnach außerdem dazu dienen, Missverständnisse bei etlichen ausländischen Unternehmen auszuräumen, die durch den Mangel an persönlichen Kontakten in den vergangenen drei Jahren entstanden sein könnten.

Lokalen Medienberichten zufolge hat die Stadtregierung von Jiaxing separat eine 96-köpfige Delegation nach Japan und eine etwas kleinere nach Europa organisiert. Außerdem hat Ningbo, eine weitere exportorientierte Stadt in Zhejiang, vergangene Woche eine Wirtschaftsdelegation in die Vereinigten Arabischen Emirate entsandt.

Mehr als 200 Vertreter von Außenhandelsunternehmen und lokalen Regierungen in Suzhou, einem wichtigen Wirtschaftsstandort in der Nachbarprovinz Jiangsu, werden offiziellen Angaben zufolge ebenfalls zum ersten Mal seit drei Jahren 15 Fortune Global 500-Unternehmen in Deutschland und Frankreich besuchen. Sun Jianjiang, Direktor des Handelsbüros der Stadt Suzhou, erklärt: „Alle Außenhandelsunternehmen sagen, dass sie es kaum erwarten können, mit ihren Kunden Kontakt aufzunehmen.“

Ähnliche Schritte haben auch die Behörden in den Provinzen Sichuan, Guangdong und Fujian unternommen. Da China seine COVID-19-Politik weiter optimiert, ist zu erwarten, dass sich weitere Provinzen anschließen werden, um ihren Außenhandel und die wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln.

(Quelle: CRI Deutsch)